Das Mikrobiom ist mehr als der Darm.
Der menschliche Körper beherbergt unterschiedliche mikrobielle Ökosysteme – unter anderem im Darm, in der Mundhöhle, auf der Haut und in den Atemwegen.
Diese Gemeinschaften unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und ihren Funktionen. Über Stoffwechselprodukte, Immunprozesse und biologische Signalwege stehen sie in vielfältiger Wechselwirkung mit unserem Organismus.
Moderne Mikrobiomforschung betrachtet deshalb nicht einen einzelnen Ort, sondern ein komplexes biologisches Netzwerk.

Das zentrale Prinzip
Viele Lebensräume.
Unterschiedliche Funktionen.
Unser Mikrobiom ist ein System, welches überall im Körper angesiedelt ist. Der Darm ist ein wichtiger Teil dieses Systems - aber nicht der einzige.
Im Darm stehen unter anderem Gallensäuren, mikrobielle Stoffwechselprodukte, Barrierefunktion und immunologische Signalwege im Mittelpunkt der Forschung.
In der Mundhöhle können bestimmte Bakterien Nitrat zu Nitrit umwandeln und damit an der enterosalivären Nitrat–Nitrit–NO-Achse beteiligt sein, die heute intensiv im Zusammenhang mit Gefäßfunktion und Blutdruck untersucht wird.
Auch das Mikrobiom der Haut und der Atemwege wird zunehmend als eigenständiges biologisches Ökosystem verstanden.
Entscheidend ist deshalb nicht „das Mikrobiom“ allgemein, sondern welcher Mikroorganismus, an welchem Ort, über welchen Mechanismus und mit welcher wissenschaftlichen Evidenz untersucht wurde.
Unser wissenschaftlicher Ansatz
Für jedes Produkt stellen wir dieselben Fragen:
Ist der Stamm eindeutig definiert?
Denn Eigenschaften eines Bakterienstammes lassen sich nicht automatisch auf andere Stämme derselben Art übertragen.
Ist der biologische Mechanismus nachvollziehbar?
Plausibilität allein genügt nicht – sie ist der Ausgangspunkt für weitere Forschung.
Gibt es belastbare Daten am Menschen?
Humanstudien haben für uns einen höheren Stellenwert als theoretische Modelle oder reine Laborergebnisse.
Ist daraus ein sinnvolles Konzept für den Alltag ableitbar?
Wissenschaft wird erst dann relevant, wenn sie verständlich und sinnvoll angewendet werden kann.
Wissenschaftliche Entwicklungsfelder
Forschungsstand
Mikrobiomforschung und kardiovaskuläre Medizin treffen an mehreren Stellen aufeinander.
Der Stamm L. reuteri NCIMB 30242 wurde in randomisierten, placebokontrollierten Humanstudien im Zusammenhang mit Lipidparametern und dem Gallensäurestoffwechsel untersucht.
Parallel rückt die Mundhöhle zunehmend in den Fokus: Nitratreduzierende orale Bakterien sind Bestandteil eines Stoffwechselwegs, über den aus Nahrungsnitrat letztlich Stickstoffmonoxid entstehen kann. Welche Bedeutung dieser Zusammenhang langfristig für Blutdruck und Gefäßgesundheit besitzt, wird aktuell intensiv erforscht.
Wissenschaft im Detail
L. reuteri NCIMB 30242
Jones et al. untersuchten den Stamm in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Multicenter-Studie mit 127 Erwachsenen über neun Wochen. Erfasst wurden unter anderem LDL- und Gesamtcholesterin sowie Marker des Sterol- und Gallensäurestoffwechsels; zwischen Verum und Placebo zeigten sich signifikante Unterschiede.
Studie auf PubMed ansehen
Orales Mikrobiom & Blutdruck
Bondonno et al. zeigten in einer kontrollierten Cross-over-Studie, dass die Hemmung der bakteriellen Nitratreduktion in der Mundhöhle mit einer verminderten Nitritbildung und einem moderaten Anstieg des systolischen Blutdrucks einherging. Die Bedeutung des oralen Mikrobioms für die Blutdruckregulation wird zunehmend untersucht; für eine gezielte bakterielle Intervention zur Blutdrucksenkung reicht die klinische Evidenz derzeit noch nicht aus.
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Eisenhaushalt
Eisenresorption · Eisenstatus · Verträglichkeit
Forschungsstand
Auch die Aufnahme von Mikronährstoffen kann mit mikrobiellen Prozessen im Darm interagieren.
Der definierte Stamm Lactiplantibacillus plantarum 299v wurde in mehreren Humanstudien speziell im Zusammenhang mit der Resorption von Nicht-Häm-Eisen untersucht. Weitere klinische Untersuchungen beschäftigen sich mit seiner Kombination mit oraler Eisensupplementierung.
Wissenschaft im Detail
Eisenhaushalt
Lactiplantibacillus plantarum 299v (Lp299v) wurde in mehreren Humanstudien hinsichtlich der Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen untersucht. Doppel-Isotopen-Studien zeigten eine höhere Eisenresorption bei gleichzeitiger Einnahme von Lp299v.
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Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von acht Lp299v-Studien bestätigte insgesamt eine signifikant höhere Eisenaufnahme.
Meta-Analyse auf PubMed ansehen
Stoffwechsel
Körpergewicht · viszerales Fett · Insulinstoffwechsel · metabolische Regulation
Forschungsstand
Das Mikrobiom wird zunehmend als ein Bestandteil der metabolischen Regulation erforscht. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Zusammenhänge mit Körperzusammensetzung, viszeralem Fett, Energiehaushalt und Insulinstoffwechsel.
Für einzelne, exakt definierte probiotische Stämme liegen bereits randomisierte Humanstudien vor. Besonders gut untersucht ist Bifidobacterium breve B-3: Mehrere placebokontrollierte Studien bei übergewichtigen Erwachsenen zeigten nach 12 Wochen Unterschiede bei Körperfettmasse und weiteren Parametern der Körperzusammensetzung.
Auch für Lactobacillus gasseri SBT2055 wurden in randomisierten kontrollierten Studien Veränderungen des abdominalen und viszeralen Fettgewebes untersucht. Weitere Humanstudien mit ausgewählten Bifidobakterien bestätigen, dass bestimmte Stämme einen Ansatzpunkt für die zukünftige mikrobiombasierte Stoffwechselforschung darstellen können.
Die Effekte sind stammspezifisch und nicht auf Probiotika allgemein übertragbar.
Wissenschaft im Detail
Minami et al. untersuchten Bifidobacterium breve B-3 bei 80 übergewichtigen Erwachsenen über zwölf Wochen. In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie zeigten sich Unterschiede bei Körperfettmasse und Körperfettanteil gegenüber Placebo.
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Für Lactobacillus gasseri SBT2055 liegen ebenfalls randomisierte Humanstudien vor. In einer Studie mit 210 Erwachsenen wurde das viszerale Fett mittels Computertomographie untersucht; nach zwölf Wochen zeigten sich Veränderungen in den untersuchten SBT2055-Gruppen.
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Pulmo / Lunge
Atemwegsinfekte · Immunantwort · Gut-Lungen-Achse
Forschungsstand
Darm, Immunsystem und Atemwege stehen über verschiedene immunologische und metabolische Signalwege miteinander in Verbindung – beschrieben als Gut-Lungen-Achse.
Strainspezifische Humanstudien untersuchen, ob ausgewählte Mikroorganismen mit der Häufigkeit und dem Verlauf respiratorischer Infekte in Zusammenhang stehen können. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Bakterienstamm, Population und Studienmodell.
Wissenschaft im Detail
West et al. untersuchten Bifidobacterium animalis subsp. lactis Bl-04 in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 465 gesunden Erwachsenen. Dabei traten in der Bl-04-Gruppe weniger Episoden oberer Atemwegsinfektionen auf.
Studie auf PubMed ansehen
Eine spätere große experimentelle Rhinovirus-Studie konnte jedoch keinen Unterschied beim primären klinischen Endpunkt bestätigen. Die Daten sind damit interessant, aber noch nicht konsistent genug, um eine Reduktion von Lungen- oder COPD-Exazerbationen abzuleiten.
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Wissenschaft braucht ärztliche Einordnung.
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